Fotografieren mit Festbrennweiten – So fangt ihr an
Wie und warum fotografiert man mit einer Festbrennweite? In diesem Beitrag beantworten wir diese und weitere Fragen. Und geben euch einige Produktempfehlungen für einen sicheren Start.
Inhalt
Wofür braucht man eine Festbrennweiten?
Wahrscheinlich begann eure Fotografenlaufbahn mit einem handelsüblichen Zoom-Objektiv (Kit-Objektiv), das mit eurer Systemkamera geliefert wurde. Solche Objektive haben Vorteile: Man kann sofort verschiedene Brennweiten flexibel einstellen und damit Motive mit unterschiedlichen Bildwirkungen aufnehmen.
Schaut man jedoch in die Equipment-Vita vieler Profis, dann kommt nach dem Kit-Objektiv in der Regel eine Festbrennweite.
Aus gutem Grund!
Objektive ohne Zoom regen die Kreativität neu an und bieten vieles, was in einem Zoom gar nicht möglich ist. So bieten Festbrennweiten beispielsweise bessere Werte für Blende, wodurch der begehrte Bokeh-Effekt noch stärker zur Geltung kommt.
Zu guter Letzt lernt man mit einem Festbrennweiten Objektiv, die verschiedenen Bildwirkungen kennen, die mit unterschiedlichen Brennweiten erzeugt werden können.
Welche Festbrennweiten gibt es?
Die gute Nachricht vorweg: Es gibt nahezu jede Brennweite als Festbrennweite – von tiefen, einstelligen Bereichen bis hin zu 1.000 mm oder mehr.
Und es gibt auch in jedem Preisbereich Festbrennweiten. Ab ca. 100 Euro geht es bereits los. Die Festbrennweiten in Spitzenqualität kosten schon mal fünfstellige Summen.
Die Frage ist nur noch, welche Brennweite ihr braucht. Wenn ihr euch nicht sicher seid, könnt ihr euch auch in einem Bildverwaltungsprogramm wie etwa Adobe Lightroom anzeigen lassen, wie ihr in der Regel unterwegs seid.
Generell werden weitwinklige Brennweiten etwa im Bereich von 12 bis 24 mm meist von Landschafts– oder Architekturfotografen favorisiert. Bei den Aufnahmen mit einer Weitwinkel-Brennweite passt eben viel mehr drauf. Die abgebildete Fläche einer Landschaft ist dann beispielsweise deutlich größer, als sie es bei der Aufnahme mit einem Teleobjektiv gewesen wäre.

Bild: Beispiel einer Aufnahme mit einem Weitwinkelobjektiv (24 mm, f/4.5)
Zwischen 24 mm und 50 mm fühlen sich Street– und Reportagefotografen pudelwohl.

Bild: Beispiel einer Street Photography Aufnahme (50 mm, f/1.6)
Von etwa 50 mm bis 135 mm reicht dann das Gebiet der Portraitfotografen. Darüber: Sind die Sport- und Naturbegeisterten zu Hause.

Bild: Beispiel einer Portraitaufnahme mit einer Festbrennweite (85 mm, f/2.2)
Diese Angaben sind natürlich nicht in Stein gemeißelt. Sie geben aber eine erste Richtung vor.
Welche Festbrennweite eignet sich für Einsteiger?
Grundsätzlich ändert die Brennweite den Blickwinkel der Kamera und damit auch die erzeugte Bildwirkung.
An einer Vollformatkamera entsprechen 50 mm ungefähr dem Blickwinkel unserer Augen. Es findet keine Vergrößerung (wie bei Teleobjektiven) und auch keine Ausweitung (wie bei Weitwinkelobjektiven) statt. Das ist auch einer der Gründe, warum 50 mm Brennweiten günstiger sind (zumindest in üblichen Lichtstärken) als die Tele- und Weitwinkelobjektive.
Die 50 mm sind daher meist ein guter Startpunkt, um sich für kleines Geld dem Fotografieren mit Festbrennweiten zu nähern.

Bild: Bokeh-Effekt (90 mm, f/2.8)
Bei der Auswahl von Festbrennweiten spielt auch die Lichtstärke eines Objektivs eine wichtige Rolle: Je kleiner die Zahl f-Zahl (z. B. f/1.8), desto besser kann mit einem solchen Objektiv der Effekt der (geringen) Schärfentiefe erzeugt und kontrolliert werden. Diese Effekt, im Fachjargon Bokeh genannt, ist häufig der Grund, warum eine Festbrennweite, gerade von Portraitfotografen, bevorzugt wird. Bedenkt jedoch, dass Objektive mit Lichtstärken unterhalb von f/1.8 wesentlich teurer sein können als Objektive oberhalb dieses Bereichs.
Was sind die Vor- und die Nachteile von Festbrennweiten?
Die Helligkeit eines Bildes hängt insbesondere davon ab, wie viel Licht es durch das Objektiv bis zum Sensor schafft. Und da Festbrennweiten keine aufwendigen Zoom-Elemente in sich tragen, können die Linsen viel größer werden – und mehr Licht durchlassen.
Ergebnis: Ein Zoomobjektiv mit einer (schon starken) Lichtstärke f/2,8 braucht ISO 6.400, eine Festbrennweite mit f/1.4 kommt mit ISO 1.600 aus. Alternativ kann die Festbrennweite kürzer belichten bei gleicher Bildqualität. Und die Offenblende bringt mehr Unschärfe in den Hintergrund.
Nicht nur die Lichtstärke ist besser als bei Zooms, auch die Bildqualität ist eher die Stärke der Festbrennweiten (im gleichen Preissegment, versteht sich). Durch den Wegfall der Zoom-Funktion kann sich der Ingenieur, der das Objektiv entwickelt, voll auf die perfekte Qualität bei einer Brennweite konzentrieren – ohne Kompromisse. Ergebnis: Die Bilder sind schärfer, insbesondere in den Ecken, Verzeichnungen sind geringer.
Außerdem: Mangels beweglicher Teile sind Festbrennweiten in der Regel haltbarer. Zudem sind sie widerstandsfähiger gegen Sand und Staub, professionelle Modelle sind fast immer gegen Wasser geschützt.
3 wichtige Vorteile von Festbrennweiten, die ihr kennen solltet
Hier sind drei, aus unserer Sicht, wichtigsten Vorteile von Festbrennweiten, die für die Anschaffung eines solchen Objektivs sprechen.
- Die Bildqualität der Festbrennweiten Objektive ist oftmals besser als die der Zoomobjektive (weniger Verzeichnungen und störende Farbsäume)
- In der Regel bessere Lichtstärke als bei Zoomobjektiven (Stichwort: Offenblende)
- Zum Teil kompakter, leichter und robuster als Zoomobjektive
3 wichtige Nachteile von Festbrennweiten, die ihr kennen solltet
Ja, einige Nachteile gibt es auch. Und einige davon sind subjektiv. Wie stark diese ins Gewicht fallen, hängt also davon ab, wie ihr diese persönlich seht.
- Keine Flexibilität bei der Wahl des fotografierten Ausschnitts
- Mehrere Objektive für verschiedene Bildwirkungen werden benötigt (z. B. Landschaft 24 mm, Portrait 85 mm)
- Höhere Gesamtkosten bei der Anschaffung mehrerer Festbreitenobjektive
Wie fotografiere ich mit einer Festbrennweite?
Gerade bei einer Festbrennweite müsst ihr immer darauf achten, die Komposition von vornherein möglichst exakt festzulegen. Das hängt von der verwendeten Brennweite ab – mit 24 mm könnt ihr sehr schöne Landschaftsaufnahmen machen, dabei müsst ihr aber deutlich stärker auf Linien, Vorder- und Hintergrund achten. Die Drittelregel ist hierbei beispielsweise eine gute Hilfe für den ein Anfang.
Unsere Tipps:
- Perfektes Bokeh – Die Ästhetik der Unschärfe
Der Grund, warum wir alle Festbrennweiten lieben, ist die Unschärfe (Schärfentiefebereich), die mit solchen Objektive erzeugt werden kann. Öffnet die Blende weit und geht ruhig etwas näher an das Motiv heran. Wenn der Hintergrund in einigem Abstand zum fokussierten Motiv liegt, wird dieser weichgezeichnet und dadurch euer Motiv sehr schön hervorgehoben. - Fokussierung – Mit ruhiger Hand
Fokus ist bei lichtstarken Festbrennweiten eine Herausforderung, da der scharfe Bereich extrem schmal ist. Am besten, ihr löst nach dem Fokussieren sofort aus und versucht, euch möglichst wenig zu bewegen. - Storytelling – Erzählt eine Geschichte
Zugegeben, das ist schon etwas fortgeschrittener, trotzdem einen Versuch wert: Versucht, ganze Serien mit nur einer Brennweite zu fotografieren und mit den entstandenen Bildern eine Geschichte zu erzählen. - Mehrere Objektive nutzen –
Erzählt komplexere Geschichten. Kombiniert am besten Weitwinkel mit leichtem Tele. Zwei Objektive reichen erstmal. Lasst euch von Kinofilmen inspirieren.
Festbrennweiten, die sich lohnen – Unsere Empfehlungen
Damit ihr direkt loslegen könnt, stellen wir euch einige bewährte Festbrennweiten vor, die sich unter Fotografen herumgesprochen haben. Diese Objektive bieten einen guten Einstieg zu einem sehr fairen Preis.
Für weitere Objektive besucht gerne unseren Foto Erhardt Onlineshop.
Canon EF 50 mm 1:1,8 STM – Der Schnapper

Die Einsteiger-Festbrennweite schlechthin und ein Klassiker. Mit dem Canon EF 50 mm 1:1.8 STM lassen sich bereits eindrucksvollere Aufnahmen realisieren – bereits für etwas mehr als 100 Euro. Durch die hohe Lichtstärke von 1:1.8 wird das Hauptmotiv mit hoher Schärfe eingefangen und gleichzeitig der Hintergrund mit einer attraktiven Unschärfe dargestellt.
- Standard-Objektiv
- Bajonettanschluss: Canon EF
- Lichtstärke: 1.8
- Festbrennweite
- min. Naheinstellung: 35 cm
- Filtergewinde: 49 mm
Sigma 24 mm F1,4 DG HSM Art – Die Reportage-Referenz

Ob 24 mm oder 35 mm – das ist Geschmackssache. Für beide Vorlieben bietet Sigma erstklassige Festbrennweiten. Diese Brennweiten sind perfekt für Reportage- und Streetfotografen geeignet, die ein bisschen mehr im Bild haben wollen. Sigma liefert hier eine tolle Bild- und Verarbeitungsqualität.
Sigma 85mm f1,4 DG DN (A) Sony-E – Der Portrait-Künstler

Eine sehr beliebte Brennweite bei Portrait Fotografen kombiniert mit einer sehr guten Lichtstärke von 1.1.4. Das Objektiv ist besonders geschätzt für sein wunderschönes Bokeh, exzellente Schärfe und einen präzisen Autofokus. Bei diesem Objektiv müsst ihr zwar tiefer in die Tasche greifen, die Freude, die ihr damit haben werdet, ist es jedoch wert.
Das 85mm f1.4 DG DN von Sigma ist lichtstark, kompakt und besitzt eine beispiellose optische Leistung.
- Bajonettanschluss: Sony E
- Lichtstärke: 1.4
- Festbrennweite
- min. Naheinstellung: 85 cm
- Filtergewinde: 77 mm
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